Ausgangslage in Karlsruhe
Die Situation der Familien in Karlsruhe spitzt sich weiter zu. Aus Sicht des Gesamtelternbeirats der Kindertageseinrichtungen stehen derzeit drei Punkte im Mittelpunkt der Elternrückmeldungen:
- Kosten der Betreuung: Die Beiträge sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und stellen insbesondere Mehrkindfamilien vor enorme Herausforderungen. Hinzu kommt die schrittweise Reduzierung des Geschwisterkindzuschusses. Für viele Familien sind dadurch die Betreuungskosten trotz doppeltem Einkommen kaum noch tragbar. Bei einer weiteren Kostenentwicklung wie in den letzten Jahren droht die Betreuung für breite Teile der Gesellschaft unerschwinglich zu werden – mit gravierenden Folgen für Chancengerechtigkeit und Familienplanung. Aktuell sind Gebühren von ca. 700 bis 900 Euro für Familien mit zwei Kita-Kindern im Ganztag Standard – einige Träger haben deutlich höhere Gebühren. Die nächste Erhöhung ist bereits beschlossen.
- Umfang und Zuverlässigkeit der Betreuung: Der zweite große Belastungsfaktor sind die Betreuungszeiten. Dies betrifft, je nach Kita und Träger, zum einen die Dauer der Öffnungszeiten an sich. Einer der größeren Träger hat bspw. seine Öffnungszeiten letztes Jahr dauerhaft reduziert. Zum anderen ist die Verlässlichkeit der Betreuung vielerorts nicht gegeben. Eltern müssen teils häufig mit kurzfristigen Einschränkungen, früheren Schließzeiten oder sogar tageweisen Ausfällen rechnen. Diese Situation macht es nahezu unmöglich, die Erwerbstätigkeit verlässlich zu planen oder zu erhöhen. Vollzeit- oder vollzeitnahe Tätigkeit ohne zusätzliche Unterstützung (Familie, Babysitter o.ä.) wird zunehmend verunmöglicht. Beruf und Familie geraten dadurch massiv in Konflikt.
- Fehlende Kita-Plätze: Die Datensituation zur Verfügbarkeit von Kita-Plätzen ist in Karlsruhe schwierig. Der letzte offizielle Kita-Bericht der Stadt (2022, alle fünf Jahre erstellt) geht von über 1.000 fehlenden Kita-Plätzen aus.
Die pädagogische Qualität der Betreuung ist in Karlsruhe im Großen und Ganzen stabil und kein vorrangiges Thema der Eltern. Entscheidend sind derzeit die Fragen: Können wir uns Betreuung leisten? Können wir uns auf Betreuung verlassen? Und: Bekommen wir einen Kita-Platz und das auch in dem Umfang, wie benötigt?
Unser Hilferuf und unsere Forderungen
Wir appellieren eindringlich an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, die Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung so zu gestalten, dass Familien Entlastung erfahren – finanziell wie organisatorisch. Konkret fordern wir:
- Eine spürbare Entlastung bei den Elternbeiträgen, insbesondere für Mehrkindfamilien.
- Eine verlässliche Betreuungsgarantie: Ausfälle oder kurzfristige Reduktionen der Öffnungszeiten müssen die Ausnahme bleiben, nicht die Regel.
- Eine ausreichende Anzahl an Kita-Plätzen, so dass alle Familien, die es wünschen, einen Kita-Platz zum erforderlichen Zeitpunkt und im erforderlichen zeitlichen Umfang erhalten.
- Eine langfristige Sicherung des Fachkräftebedarfs, um Stabilität und Kontinuität in der Betreuung zu gewährleisten.
Verlässliche und bezahlbare Kinderbetreuung ist kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Bildungsgerechtigkeit, Gleichberechtigung und wirtschaftliche Stabilität.
Gesamtelternbeirat Karlsruher Kindertageseinrichtungen









